Prompt-Praxis für Lehrkräfte

Was einen guten Prompt für Unterrichtsmaterial ausmacht.

Ein konkretes Ötzi-Beispiel zeigt: Je klarer Zielgruppe, Kompetenz und Aufgabenformat beschrieben sind, desto eher passt das KI-Ergebnis zum Unterricht.

Vergleich eines ungenauen und eines präzisen Ötzi-Arbeitsblatts mit dem Titel: Was ein genauer Prompt ausmacht
Gleiche KI, anderer Auftrag – und ein deutlich anderes Ergebnis.

Kurz gesagt

Ein Prompt ist mehr als eine Themenangabe. Er übernimmt einen Teil der didaktischen Steuerung: Er legt fest, für wen das Material gedacht ist, welche Kompetenz aufgebaut werden soll und wie die Lernenden arbeiten.

Warum „Erstelle mir ein Arbeitsblatt über Ötzi“ nicht reicht

Der Auftrag klingt eindeutig, lässt aber fast alle unterrichtlich wichtigen Entscheidungen offen. Die KI kennt weder Klassenstufe und Schulart noch Lernziel, Vorwissen, Sozialform oder gewünschten Schwierigkeitsgrad. Entsprechend allgemein fällt das Ergebnis häufig aus: ein kurzer Informationstext, Fragen zur Wiedergabe und eine kreative Zusatzaufgabe.

Merkmale eines ungenauen Prompts: allgemeine Fragen, kaum Kompetenzbezug und für viele Klassenstufen denkbar
Ein offener Auftrag erzeugt ein eher beliebiges Ergebnis.
Der kurze Anfänger-Prompt: Erstelle mir ein Arbeitsblatt über Ötzi
Der Anfänger-Prompt gibt nur Thema und Materialart vor.

Die fünf Bausteine eines brauchbaren Unterrichts-Prompts

  1. Zielgruppe: Klassenstufe, Schulart und – wenn relevant – Bundesland oder Lehrplanbezug.
  2. Thema und Kontext: Nicht nur das Oberthema, sondern der konkrete fachliche Schwerpunkt.
  3. Lernziel oder Kompetenz: Was sollen die Lernenden am Ende können?
  4. Aufgabenformat und Progression: Anzahl, Operatoren, Sozialform und steigender Schwierigkeitsgrad.
  5. Ausgabe und Material: Aufbau, Umfang, Sprache, Quellen, Abbildungen und gegebenenfalls ein Erwartungshorizont.
Ein genauer Prompt nennt die 6. Klasse als Zielgruppe, Quellenkompetenz als Fokus und Aufgaben mit steigender Schwierigkeit
Die didaktischen Leitplanken werden im Prompt ausdrücklich benannt.

Ein konkretes Beispiel: archäologische Quellenarbeit mit Ötzi

Statt nur ein Arbeitsblatt „über Ötzi“ zu verlangen, beschreibt der zweite Auftrag das gewünschte Lernen. Dadurch wird aus einer allgemeinen Wissensabfrage eine kompetenzorientierte Aufgabe zur archäologischen Quellenarbeit.

Beispiel-Prompt

Erstelle ein Arbeitsblatt für die 6. Klasse Realschule Bayern zum Thema Ötzi. Schwerpunkt: Wie funktioniert archäologische Quellenarbeit? Die Aufgaben sollen zum Belegen aus Fundstücken anleiten (Quellenkompetenz) und nicht nur Fakten abfragen.

Format: ein strukturiertes Arbeitsblatt mit drei Aufgaben steigenden Schwierigkeitsgrads, Sozialform Einzelarbeit, dazu eine Abbildung der Fundstücke mit Beschriftung auf Deutsch.

Ausformulierter Prompt für ein Ötzi-Arbeitsblatt zur archäologischen Quellenarbeit in der 6. Klasse Realschule Bayern
Je konkreter der Auftrag, desto besser kann die KI die gewünschte Richtung treffen.

Kopierbare Vorlage für deinen nächsten Prompt

Diese Struktur kannst du für nahezu jedes Fach und Thema anpassen:

Erstelle ein [Materialformat] für die [Klassenstufe, Schulart, ggf. Bundesland] zum Thema [Thema].

Lernziel/Kompetenz: Die Lernenden sollen [konkretes Können]. Der Schwerpunkt liegt auf [fachlicher Fokus], nicht nur auf [was vermieden werden soll].

Erstelle [Anzahl] Aufgaben mit [gewünschter Progression und Operatoren]. Sozialform: [Sozialform]. Nutze [Materialien/Quellen]. Ausgabe: [Aufbau, Umfang, Sprache]. Ergänze [Lösung/Erwartungshorizont, falls gewünscht].

Tipp: Wenn der erste Entwurf noch nicht passt, ändere nicht alles auf einmal. Benenne gezielt, was fachlich oder didaktisch fehlt, und lass genau diesen Teil überarbeiten.

Was den Unterschied macht

Vergleich: Ein ungenauer Prompt lässt Thema, Zielgruppe und Kompetenz offen; ein genauer Prompt klärt Klassenstufe, Lernziel und Aufgabenformat
Prompten ist kein Extra – es steuert das Ergebnis.